Die Narzisstin

Ja, es ist wahr, Narzissten sind schlechte Menschen. Sie haben schlichtweg einen schlechten Charakter. Wie es der Zufall so will, lernte ich vor einigen Jahren jemanden dieser Gattung Mensch kennen. Auf den ersten, oberflächlichen Blick scheinen Menschen dieser Art höchst angenehme, mit viel Ausstrahlungskraft gesegnete Zeitgenossen zu sein: Sie sind schön oder zumindest attraktiv, ihre Augen strahlen das gewisse Etwas aus, sie verteilen Bussis. Immer darauf bedacht, im Mittelpunkt zu stehen, drängen sie sich zu ihren Opfern. Diese bemerken meist jahrelang, oft sogar gar nicht, mit welcher Art Mensch sie es zu tun haben. So kommt es, dass Narzissten bei Bekannten, also bei den Menschen, die nicht ihrem intimeren Umfeld angehören, als wunderbare, selbstlose Menschen angesehen werden. "Bin ich nicht schön, schlank." "Habe ich nicht eine tolle Figur?" Aber auch: "Siehst Du nicht, wie mies ich ausschaue?" So tönt es einem entgegen. Wehe dem, der hier widerspricht! Der bekommt es mit einem Wutanfall sondergeleichen zu tun, wird angeschrieen: Was denke man sich, zu übersehen oder gar bewusst nicht zu beachten, wie der Narziss schön ist oder leidet!

Selbstverständlich interessiert er sich für die Belange anderer Menschen. Scheinbar empathisch, seinen Mitmenschen zugewandt, kümmert er sich - letztlich um sich selbst -, um gut dazustehen. Narzissten leiden darunter, sie brauchen die Anerkennung, wie andere, "normale" Menschen ihr Essen und Trinken. Wenn sie ihnen verwehrt wird, werden sie ungeniessbar. Sie werden sich in dem Augenblick, in dem man es am wenigsten erwartet, für angetanes "Leid" bitterlich rächen.

Texte, Fotos, Bilder, Musik (außer gekennzeichnete Werke) © 2018 by Andreas Johann Lücke